Der letzten Stunden vor der Fähre
64,8 km / 588 HM
Gesamt: siehe letzter Beitrag
Der letzte Tag.
Und vielleicht ist es genau das, was ihn so besonders macht: Man weiß, dass jeder Kilometer heute ein letzter ist.

Noch einmal laufe ich ausgiebig durch Hästevik und seine Umgebung. Über Felsen, vorbei an kleinen Häfen, immer wieder mit Blick auf das Meer. Ich nehme mir Zeit. Für die Strecke, für die Gedanken und für all das, was in den vergangenen Wochen so selbstverständlich geworden ist.

Danach geht es Richtung Göteborg. Über Umwege, Schleifen und alles, was den Weg ein kleines bisschen länger macht. Der direkte Weg wäre heute vermutlich der falsche.Aber vielleicht muss der letzte Tag auch nicht vernünftig sein. Vielleicht darf man ihn einfach ein bisschen hinauszögern.

Der letzte Frühstücksplatz könnte schöner nicht sein. Sonne, Ruhe, Schweden. Ein Ort, an dem man bleiben möchte, obwohl man weiß, dass man weiter muss.

Doch bevor die letzten drei Kilometer zum Hafen beginnen, wartet noch jemand.
Matthew.
Vor drei Jahren haben wir uns auf meiner ersten Radreise kennengelernt. Eigentlich nur eine Begegnung unter vielen. Und trotzdem ist daraus etwas geblieben.
Seitdem haben wir es geschafft, uns jedes Jahr zu sehen. Manche Menschen kommen in unser Leben, ohne dass man weiß, warum. Und irgendwann merkt man, dass sie einen festen Platz darin bekommen haben.
Matthew ist für mich so ein Mensch.
Wertvoll. Sehr.
Und während ich heute wieder vor ihm stehe, denke ich vor allem eines:
Hoffentlich bleibt es so.
Hoffentlich gibt es auch im nächsten Jahr wieder diesen Moment, in dem sich unsere Wege für ein paar Stunden kreuzen.

Danach bleiben nur noch drei Kilometer bis zum Hafen.
Drei Kilometer, die ich wahrscheinlich gerne noch ein bisschen länger hätte.

Jetzt sitze ich hier in der Sonne und warte auf den Check-in.
Die letzte Stunde in Schweden.

Ich bin traurig über das Ende dieser Reise. Über die Orte, die ich zurücklasse. Über die Freiheit. Über dieses Leben aus wenigen Dingen, langen Tagen, neuen Begegnungen und der Gewissheit, dass hinter jeder Kurve etwas Unbekanntes warten könnte.
Man kann sich auf das Ende vorbereiten.
Aber man kann sich nicht dagegen schützen, dass etwas fehlt, sobald es vorbei ist.

Während ich hier sitze und die ein- und auslaufenden Schiffe beobachte, ziehen die letzten Wochen noch einmal in Gedanken vorbei. So viele Kilometer, Menschen, Gespräche, Landschaften und kleine Momente. Alles ist noch ganz nah und gleichzeitig schon dabei, Vergangenheit zu werden. Ich hätte gerne noch ein paar Tage. Oder ein paar Wochen. Vielleicht ist genau das die Antwort darauf, wie schön diese Reise für mich war.

Ich weiß, dass ich gleich aufbrechen muss. Aber vielleicht muss ein Abschied auch nicht immer leicht sein. Vielleicht darf er traurig sein, wenn etwas so wertvoll war. Und vielleicht ist die schönste Hoffnung für heute einfach nur: Bis zum nächsten Mal, Schweden.

Abschlussworte folgen heute Abend…