Tag 17: Tidaholm – Vårgårda

Vielleicht sind die wertvollsten Souvenirs einer Reise jene Erkenntnisse, die man nicht einpacken kann.“

96,7 km / 515 HM
Gesamt 1561,14 km

Fast, als würde Schweden mir zum Abschied noch einmal genau das Wetter servieren wollen, mit dem diese Reise begonnen hat, zeigt das Thermometer am Morgen wieder nur 5 Grad.

Die Laufrunde mit Jacke, die ersten 2 Stunden auf dem Fahrrad mit Handschuhen und zwei Jacken, ständig kurz vorm Griff zur Daunenjacke.
Und trotz, dass sich die Sonne irgendwann hinter dieser Standard-Wolke hervor kämpft, wird es nur zögerlich warm.

Je näher ich Göteborg komme, desto mehr entferne ich mich von dem überaus beschaulichen und ruhigen Schweden, das mich die letzten Wochen begleitet hat.

Die Straßen werden voller, die Ortschaften größer und belebter, insgesamt ist einfach mehr Unruhe um mich herum. Und ich merke, dass ich diese Unruhe ganz unbewusst annehme. Ich mache weniger Fotostopps, fahre ein Stück selbstverständlicher weiter und ertappe mich dabei, wie ich links und rechts nach dieser Einsamkeit suche, die ich weiter oben im Norden so oft gefunden habe.

Die Routenplanung gestaltet sich inzwischen ebenfalls etwas anspruchsvoller. Zwischen eingezeichneten Wegen, die in der Realität nie angelegt wurden, überraschenden Sackgassen und großzügig abgesperrten Weideflächen bleibt von der ursprünglichen Planung manchmal erstaunlich wenig übrig.

Mein heutiges Ziel ist Vargarda, circa 80 km vor Göteborg.
Und heute zieht es mich nicht in den Ort, sondern einzig und allein an den See in der Nähe.
Kein Mensch weit und breit, nicht einmal ein Hauch von Wind. Nur der See, die Landschaft und ein paar Wasservögel, die gelegentlich daran erinnern, dass ich nicht völlig allein auf der Welt bin.

Denn je näher das Ende kommt, desto mehr drängt sich auch das Danach in den Kopf.
Zuhause, Alltag, Termine, Verpflichtungen.
Am See wird dieser Blick nach vorn für ein paar Stunden wieder etwas schwächer.
Ich bin noch hier. Und eigentlich gibt es gerade keinen Grund, gedanklich schon weiterzufahren.

Vielleicht brauche ich diese letzten Stunden genau deshalb. Um noch einmal bewusst aus dem Tempo auszusteigen, bevor die Reise endgültig in Richtung Alltag führt.

Einer durfte die Ruhe dann doch kurz stören.

Und so endet der Tag einmal mehr mit einem wundervollen Gespräch mit einem einheimischen Swim-Runner, das eigentlich viel zu schade war, um es nur als „Unterbrechung“ zu bezeichnen.

Schreibe einen Kommentar