Tag 13: Arboga – Degerfors

Allein reisen heißt, die Freiheit zu haben, jeden Tag neu zu entscheiden, was heute wichtig ist.“

100,3 km / 689 HM
Gesamt 1174,61 km

Der Morgen beginnt so, wie man ihn sich wünscht. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm mild. Nur die Jahreszeit erinnert mich inzwischen daran, dass sich auch in Schweden der Sommer langsam verabschiedet. Auf meiner Laufrunde sind die Waldabschnitte mittlerweile schon ungemütlich dunkel. Die Tage werden spürbar kürzer.

Heute stehen rund 100 Kilometer bis Degerfors auf dem Plan. Und die Strecke verspricht zunächst nicht unbedingt einen besonders abwechslungsreichen Tag.
Ich kann die Route drehen und wenden, wie ich möchte, wirklich viel lässt sich nicht daran ändern. Zunächst geht es auf einer Bundesstraße bis Örebro. Danach wartet ein schnurgerader Bahnradweg auf mich. Anschließend führt die Strecke auf die E18, wobei ich zumindest einige Abschnitte über parallel verlaufende Wege umfahren kann, so zumindest in der Komoot -Theorie.
Ach ja, Westwind.
Fahrtrichtung: Westen.
Die Voraussetzungen für eine eher unspektakuläre Etappe sind also geschaffen. Aber vielleicht sollte ich genau deshalb erst einmal losfahren, bevor ich den Tag schon beurteile, bevor er überhaupt begonnen hat.

Also los. 100 Kilometer warten.

Der frühe Start macht sich schon mal schnell bezahlt. Auf der Straße ist noch erstaunlich wenig Verkehr unterwegs. Und selbst die Autos und LKWs, die mir begegnen, stören mich heute nicht. Die Straße bis Örebro hat einen breiten Seitenstreifen, sodass jeder seinen eigenen kleinen Raum erhält.
Auch der Wind hält sich am Morgen noch angenehm zurück.

Ehe ich mich versehe, bin ich in Örebro – eine Stadt, die mir vor 4 Jahren schon sehr gefallen hat.
Und auch heute werde ich nicht enttäuscht.
Bevor ich das Zentrum erreiche, führt mich der Radweg durch ein wunderschönes Naturreservat. Hier findet man in der Regel auch schöne Möglichkeiten für eine Pause, was sich kurz darauf gleich bestätigt.
Der Ausblick überzeugt, die Temperaturen auch.

Selbst an Regentage wurde hier gedacht.

Für etwas Abwechslung am Morgen, wollte ich meine Semmeln heute mal toasten. Die Art und Weise ist jedoch verbesserungswürdig.

Am Ende ging’s nochmal gut, eine Lehre wars trotzdem.

Der Schreck ist zum Glück schnell vergessen. Die Semmeltüte ist Geschichte.

Die nächsten 5 Kilometer führen mich nun einmal komplett durch Örebro und am Ortsausgang ist klar, hier komme ich irgendwann noch einmal in Ruhe zurück.

Nun folgt die alte Bahnstrecke. Circa 7-8 km nur geradeaus..
Ein Traum – wenn man es denn mag.

Nach wenigen hundert Metern kommen Erinnerungen zurück. Ein Übernachtungsplatz von 2022. Und auch gelaufen bin ich auf diesem Radweg schon. 5 km in die eine Richtung, 5 km in die andere. War auch nicht spannender, als mit dem Rad.
Zum Glück hält sich der Wind noch zurück. Denn sonst wäre dieser Abschnitt auf den mittlerweile folgenden Freiflächen eine ganz andere Hausnummer.

Bei Lanna treffe ich nun auf die E18, die Schnellstraße. Jetzt wird sich zeigen, ob die Parallelwege, die ich mir herausgesucht habe, tatsächlich fahrbar sind oder ob meine Streckenplanung gerade dabei ist, sich in Luft aufzulösen.

Die ersten fünf Kilometer führen noch über eine alte Nebenstraße. Danach wechseln sich kleinere Waldwege und Forststraßen ab. Und plötzlich wird aus dem Abschnitt, vor dem ich mich gedanklich schon die ganze Zeit gefürchtet habe, eine richtig schöne Strecke.

Manchmal liegt zwischen einer großen Befürchtung und einer schönen Überraschung offenbar nur ein bisschen Mut, es einfach auszuprobieren.

Am See Leken könnte die Aussicht kaum schöner sein. Ruhiges Wasser, Wald und diese schwedische Landschaft, die es einem unglaublich leicht macht, kurz stehen zu bleiben.

Kurz darauf folgt ein nächster bekannter Ort – an einem dieser Tische habe ich vor 4 Jahren schon Rast gemacht.
Damals jedoch ohne Fahrrad und Gepäck.

Am See Möckeln bin ich dann schneller als gedacht. Von hier sind es noch gut 15 Kilometer in südliche Richtung, dann ist Degerfors erreicht.
Und auch diese letzten Kilometer sind überraschend kurzweilig. Der Wind hat inzwischen zwar etwas aufgefrischt, aber ärgern kann er mich damit heute nicht mehr.

In Degerfors angekommen, stellt sich nur noch die Frage, wie ich den Nachmittag verbringen möchte.
Spaziere ich noch ein Stück am Möckeln entlang? Oder lieber hinaus zu einem kleinen See, an dem vermutlich weder Häuser noch Menschen zu finden sind?

Die Entscheidung fällt ziemlich schnell.
Der ruhige See zieht mich eindeutig mehr an. Genau diese kleinen, stillen Seen, die irgendwo zwischen Wald und Landschaft liegen, scheinbar ohne großen Grund und ohne jemanden, der sie unbedingt sehen muss, gehören zu meinen absoluten Lieblingsplätzen.

Vielleicht gerade deshalb.

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