Das Ende einer wundervollen Zeit

Wenn aus Kilometern Erinnerungen werden

20 Tage
1754,56 Rad Kilometer und 13230 HM
248 Lauf Kilometer
195 Wander Kilometer

Vielleicht bleibt man immer ein bisschen unterwegs.

Es gibt Reisen, die enden an einem bestimmten Ort.
Und es gibt Reisen, bei denen man irgendwann merkt, dass der eigentliche Weg gar nicht auf der Straße lag, weil unterwegs etwas passiert, das im Alltag nur schwer gelingt.
Die Welt wird kleiner und gleichzeitig größer.

Heute endet sie, meine Reise durch dieses geliebte Land.
Die letzten Kilometer sind gefahren. Göteborg liegt hinter mir und vor mir liegt nun die Rückfahrt.
Eigentlich müsste sich das wie ein Ziel anfühlen.
Tut es aber nicht.
Vielleicht, weil man nach fast drei Wochen irgendwann aufhört, zwischen „Reise“ und „Leben“ zu unterscheiden. Die Tage sind einfach passiert. Mal leicht, mal zäh. Mal mit Gegenwind, mal mit Rückenwind. Manchmal mit klammen Fingern und kalten Füßen, denn so viel gefroren habe ich auf keiner meiner bisherigen Radreisen. Aber immer mit diesem wunderbaren Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Schlechtes Wetter gab es dafür erstaunlich wenig. Schweden hat mir vieles erspart, was es mir hätte zumuten können.

Was bleibt, sind aber nicht die Kilometer.
Es sind die Momente, die sich nicht planen ließen.
Menschen, die ich wahrscheinlich nie wiedersehen werde und die trotzdem für einen kleinen Augenblick Teil dieser Reise waren.
Gespräche, die länger geblieben sind als manche Strecke. Orte, an denen ich eigentlich nur kurz anhalten wollte und dann doch geblieben bin.
Und diese vielen Stunden allein.
Früher hätte ich vielleicht gedacht, dass Alleinsein bedeutet, niemanden um sich zu haben.
Unterwegs habe ich wieder gemerkt, dass das nicht stimmt.
Man kann allein sein und sich trotzdem verbunden fühlen. Mit einem Ort. Mit einem Gedanken. Oder einfach mit sich selbst.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum Abschiede so schwerfallen.
Man verabschiedet sich nicht nur von einem Land.
Man verabschiedet sich von einer Version seines eigenen Lebens, die es so wahrscheinlich nicht noch einmal geben wird.
Aber genau darin liegt auch etwas Tröstliches.
Nichts muss sich wiederholen, um wertvoll gewesen zu sein.
Manche Dinge dürfen einmalig sein.
Dieser Sommer darf genau so bleiben, wie er war.
Mit seinen kalten Morgen, den langen Strecken, den Umwegen, den kleinen Katastrophen, den stillen Stunden und all den unerwarteten Begegnungen.

Ich möchte ihn nicht festhalten.
Ich möchte ihn behalten.
Und vielleicht ist das ein wichtiger Unterschied.
Denn irgendwann müssen wir alle zurückkehren. Zu Menschen, Verpflichtungen, Terminen und dem ganz normalen Leben.
Aber vielleicht kehren wir nie ganz so zurück, wie wir losgefahren sind.
Vielleicht nimmt man von einer Reise immer ein kleines Stück Weite mit.
Und wenn es irgendwann wieder eng wird im Kopf, wenn alles zu laut und zu festgelegt erscheint, dann ist es Zeit, wieder aufzubrechen.

Vielleicht reicht genau diese Erinnerung für den nächsten Aufbruch.
Denn vielleicht endet eine Reise nicht wirklich, wenn man wieder zuhause ist.
Vielleicht trägt man sie einfach weiter.
Ein Stück davon in den Taschen.
Ein Stück davon im Herzen.
Und den Rest irgendwo tief unter der Haut.

Ein ganz besonderer Dank gehört an dieser Stelle noch meiner Mama. ❤️
Du bist es, die mir immer wieder den Rücken freihält und mir damit die Freiheit schenkt, solche Reisen überhaupt erleben zu können. Während ich unterwegs bin, weiß ich, dass zuhause jemand da ist, der auffängt, mitträgt und mir diesen Freiraum ermöglicht. Das ist alles andere als selbstverständlich.
Danke für diese Unterstützung, dein Vertrauen und dafür, dass du mir immer wieder das Gefühl gibst: Fahr los, ich kümmere mich. ❤️

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