Die letzten Tage vor Abreise

Bikepacking 4.0
Wenn ich heute an die erste Tour zurückdenke, muss ich schmunzeln. Ich war voller Vorfreude, voller Leichtigkeit und gleichzeitig herrlich naiv. Einfach los. Ohne wirklich zu wissen, was da draußen auf mich wartet. Diese Reise wurde zu einer Prüfung. Nicht nur für mein Fahrrad, sondern vor allem für mich.
Die zweite Tour war geprägt von dem, was die erste mir beigebracht hatte. Ich war besser vorbereitet. Das Fahrrad war überprüft, die Ausrüstung durchdacht, Regen und Kälte hatten ihren festen Platz im Gepäck. Ich hatte gelernt, dass Abenteuer und Vorbereitung sehr gut zusammenpassen.
Bei der dritten Tour schlich sich etwas ein, das ich damals gar nicht bemerkte: Selbstverständlichkeit. Bis sie wieder kam: Die nächste Panne. Der nächste Werkstattbesuch. Die nächste Erinnerung daran, dass sich nicht alles planen lässt.
Nun starte ich in meine vierte Tour. Nicht mehr unbedarft. Nicht mehr naiv. Aber auch nicht voller Angst. Es ist ein leises, tiefes Gefühl aus Vertrauen und Respekt geworden. Denn ich weiß inzwischen, dass unterwegs alles passieren kann. Dass Gegenwind dazugehört. Dass nicht jeder Tag leicht wird. Dass es Momente geben wird, in denen ich zweifle.
Und trotzdem zieht es mich wieder in den Norden. Vielleicht sogar mehr als jemals zuvor.
Die vergangenen 3 Wochen waren Wochen, die Kraft gekostet haben. Wochen, in denen manches anders kam, als ich es mir gewünscht hätte. Wochen, die mich wieder einmal gefragt haben: Vertraust du dem Leben auch dann, wenn du den Weg gerade nicht erkennen kannst?
Vor zwei oder drei Jahren hätte ich diese Frage wahrscheinlich anders beantwortet. Heute spüre ich etwas, das früher oft gefehlt hat. Eine tiefe Gelassenheit. Nicht, weil alles leicht geworden ist. Sondern weil ich weiß, dass ich schon so vieles überstanden habe. Dass jede Krise irgendwann zu einer Geschichte wurde. Dass jede Umleitung mich irgendwo hingeführt hat, wo ich sonst nie angekommen wäre. Und dass ausgerechnet die Momente, die ich niemals gewählt hätte, mich oft am stärksten verändert haben. Nicht, weil ich aufgegeben habe. Sondern weil ich gelernt habe, dass Widerstand selten Frieden bringt.
Und genau deshalb fahre ich los. Nicht, weil ich Antworten suche. Sondern weil ich weiß, dass ich sie unterwegs oft ganz von selbst finde. Zwischen dem gleichmäßigen Rollen der Reifen. Zwischen Wäldern und Feldern. Beim Laufen durch fremde Orte. Beim ersten Kaffee am Morgen. Beim Einschlafen im Zelt. Oder einfach in einem Moment vollkommener Stille.
Ich freue mich auf drei Wochen ohne Eile. Auf Sonnenaufgänge, die keinen Termin kennen. Auf Regentage, die dazugehören dürfen. Auf Begegnungen. Auf Einsamkeit. Auf Freiheit. Auf Zeit für Gedanken, die im Alltag keinen Platz finden.
Also packe ich nun mein Leben für die nächsten drei Wochen in zwei kleine Fahrradtaschen. Alles andere lasse ich bewusst zurück. Den Lärm. Den Druck. Die Eile. Was ich stattdessen mitnehme, sieht man nicht: Hoffnung, Vertrauen und die Sehnsucht nach diesem einen Gefühl, das ich nur im Norden finde.
Natürlich werden wir Deine Tour wieder mit Neugier verfolgen. Schon Deine einführende Zeilen machen Appetit auf mehr. Wir freuen uns an Deinem Abenteuer teilhaben zu dürfen.
Welcome back to Sweden!!!