Schnaittenbach – Vogtland – Wolfsburg
Man lernt ja bekanntlich mit jedem Jahr dazu. Deshalb gab es dieses Mal ein neues Packsystem: Erst alles auf dem Boden ausbreiten, dann in Ruhe einpacken. Klingt simpel. Ist es auch und funktioniert am Ende sogar.
Was mit den Jahren aber tatsächlich immer besser wird, ist die Erkenntnis, was man wirklich braucht. Und das ist erstaunlich wenig. Schon letztes Jahr haben 12,5 Liter links und 12,5 Liter rechts völlig ausgereicht. Erfahrung ersetzt eben Ballast.
Also wandert alles in die beiden Seitentaschen und die Lenkertasche. Fertig.
Oder doch nicht? Schon vergangenes Jahr hatte ich nur das Nötigste dabei. Trotzdem ist in den Taschen noch überraschend viel Luft. Mehr Luft, als letztes Jahr.
Die Packliste ist schnell wieder aus dem Müll geholt und kontrolliert.
Offenbar neige ich trotz aller Erfahrung noch immer dazu, dem leeren Stauraum nicht so ganz zu vertrauen.
Mit zwei ferienreifen Kindern im Gepäck- oder bin ich am Ende diejenige, die die Ferien gerade noch viel nötiger hat? – führt die erste Etappe ins Vogtland.
Nach anderthalb Stunden ist das Ziel erreicht und meine beiden Mädels sind mitsamt ihrem Gepäck schneller aus dem Auto verschwunden, als ich „Schöne Ferien!“ sagen kann. Ein letzter Abschiedskuss, noch einmal drücken, winken und schon beginnt für sie der Urlaub. Für mich geht die Reise allein weiter.
Die restlichen rund 350 Kilometer bis nach Wolfsburg lege ich zwar nicht unbedingt entspannter zurück, aber zumindest akustisch deutlich ruhiger.
So richtig Platz für Vorfreude ist allerdings noch nicht. Zu vieles ist anders gekommen, als ich es mir vorgestellt hatte. Manchmal braucht es nur einen einzigen Moment, und Pläne, auf die man lange hingearbeitet hat, verlieren plötzlich ihre Selbstverständlichkeit.

Der erste Abend endet mit einem Spaziergang am Allersee. Nach den vielen Stunden im Auto genau das Richtige, um die Beine zu vertreten. Und auch wenn ich dem See wirklich nichts Böses möchte: Gegen Schweden hat er einen schweren Stand. Ein paar Spaziergänger zu viel, ein paar Enten zu aufdringlich und ein bisschen zu viel Zivilisation. Als Einstimmung reicht er aber trotzdem.
Während ich am Ufer entlanglaufe, merke ich, dass mich etwas begleitet. Kein konkreter Gedanke, keine Angst, nichts, was ich wirklich greifen könnte. Eher ein unterschwelliges, ungutes Gefühl. Nicht aufdringlich, aber eben auch nicht einfach wegzuschieben.

Ich versuche, diesem Gefühl nicht zu viel Raum zu geben. Es darf da sein, aber es soll diese Reise nicht bestimmen.
Morgen geht es weiter Richtung Norden. Und vielleicht bleibt mit jedem Kilometer ein kleiner Teil der Schwere zurück, während die Vorfreude endlich den Platz einnimmt, der ihr eigentlich schon längst gehört.

