Tag 10: Ljusne – Gävle

An der Jungfrauenküste bis nach Gävle

98 km / 541 HM
Gesamt 865,44 km

Der Morgen startet anders, als erwartet. Statt blauer Himmel durchs Fenster sehe und höre ich Regentropfen.
Zum Glück nur kurz, danach setzt sich immer mehr die Sonne durch. Der Wind bleibt allerdings kühl.

Ohne Handschuhe und zwei Jacken geht es heute wieder nicht. Das Thermometer zeigt zwar 9 Grad, aber es fühlt sich deutlich kälter an. Dafür kommt der Wind mit 30 bis 50 km/h von hinten, und damit kann ich ausgesprochen gut leben. Ich wäre nicht traurig, wenn er sich diese Position für den Rest der Tour merken würde.

Ab Trödje geht es auf dem Jungfruleden weiter und die Strecke wird ab hier unglaublich schön. Der Weg führt immer wieder direkt am Wasser entlang, vorbei an roten und gelben Häusern und durch eine Landschaft, die für die Jungfrukusten typisch ist: viel Wald, kleine Buchten, Schären und immer wieder der Blick hinaus aufs Meer.

Diese Küstenregion erstreckt sich über rund 200 Kilometer entlang von Gästrikland und Hälsingland. Ihren Namen verdankt sie unter anderem der Insel Storjungfrun vor Söderhamn. Entlang der Küste liegen unzählige kleine Inseln, stille Buchten und alte Fischerdörfer. Vieles davon wirkt einfach nur entspannt und friedlich und genau das macht die Strecke heute so schön.

Der Wind sorgt dafür, dass ich schneller am Ziel bin, als geplant.
Genug Zeit, um am Nachmittag noch einen ausgedehnten Spaziergang nach Gävle zu machen. Es ist zwar wieder eine dieser größeren Städte, aber mit ihrer schönen Altstadt ist sie auf jeden Fall einen Abstecher wert. Die kleinen, ruhigen Plätze am Meer, die ich gestern noch so genossen habe, sucht man hier allerdings vergeblich.

Nach den vielen Kilometern durch diese wundervolle Landschaft ist mein innerer Speicher heute aber ohnehin gut gefüllt.

Und dann geht dieser Tag genauso ruhig zu Ende, wie er begonnen hat. Es müssen nicht immer die großen Erlebnisse passieren, damit ein Tag im Gedächtnis bleibt. Manchmal liegt das Schöne gerade darin, dass nichts Besonderes geschieht.
Und vielleicht sind es genau diese Tage, die einem manchmal besonders guttun.

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